Einhaltung der EU-Fiskalregeln erfordert umfangreiche Konsolidierung — Mittelfristige Projektion der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und der öffentlichen Finanzen in Deutschland

(gemeinsam mit Andrej Drygalla, Katja Heinisch, Axel Lindner, Christoph Schult und Götz Zeddies) IWH Policy Notes 1/2026, Halle (Saale), 2026

Zusammenfassung: Der Beitrag untersucht die mittelfristige Entwicklung der deutschen Wirtschaft und der öffentlichenFinanzen vor dem Hintergrund der seit 2025 geltenden neuen EU-Fiskalregeln und der jüngsten Lockerung der nationalen Schuldenbremse. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob und unter welchen Bedingungen Deutschland die europäischen Vorgaben zu Defizit, Schuldenstand und Nettoprimärausgabeneinhalten kann. Auf Basis einer makroökonomischen Projektion bis zum Jahr 2040 wird zunächst dasProduktionspotenzial mit zwei alternativen Verfahren geschätzt: der von der EU-Kommission verwendeten Methode sowie einer modifizierten EU-Methode (MODEM), die demografische Effekte stärkerberücksichtigt. Darauf aufbauend werden die öffentlichen Finanzen bis zum Jahr 2030 projiziert unddie resultierenden Nettoausgabenpfade mit den Vorgaben des deutschen finanzpolitisch-strukturellenPlans verglichen. Ergänzend werden finanzpolitische Szenarien bis 2040 simuliert, die sich hinsichtlich der Entwicklung des strukturellen Primärsaldos unterscheiden. Das Potenzialwachstum dürfte inden kommenden Jahren deutlich geringer ausfällen als in der Vergangenheit. Ohne zusätzliche Konsolidierungsmaßnahmen steigen Defizite und Schuldenquote spürbar an, und die EU-Fiskalregeln werden verfehlt. Die im finanzpolitisch-strukturellen Plan unterstellte Einhaltung der Vorgaben erforderterhebliche, bislang nicht konkretisierte Einsparungen. Langfristig lässt sich die Schuldenstandsquotenur durch eine deutliche Verbesserung des strukturellen Primärsaldos stabilisieren; andernfalls drohenstark steigende Zinsausgaben und eine nachhaltige Einschränkung fiskalischer Spielräume.

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