Funktioniert eine Währungsunion nur als Transferunion?

Gastbeitrag, Deutsche Handwerks Zeitung, 10.07.2015

Am 1. Juli 2015 jährt sich die Einführung der Deutschen Mark in der DDR zum 25sten Mal. Die Währungsunion vereinigte die Geldpolitik  zweier damals noch unabhängiger Staaten. Aber es war völlig klar, dass die Deutsche Einheit bald folgen wurde. Als dann Ende der 90er Jahre der Euro eingeführt wurde, bestand ebenfalls die  Vorstellung, dass die gemeinsame Währung Wegbereiter für eine tiefere politische Integration sein würde. Die tatsächliche Entwicklung ist aber hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Einführung der DM in der DDR zum Umtauschkurs 1:1 und die folgenden Lohnerhöhungen haben die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der ostdeutschen Wirtschaft vermindert. Die in der Folge stark gestiegene  Arbeitslosigkeit liegt noch heute über dem gesamtdeutschen Durchschnitt. Die damit verbundenen Probleme werden durch das vielschichtige innerdeutsche Transfersystem gemildert. Zwar gibt es auch in der EU systematische Transfers, etwa im Rahmen der Strukturfondsmittel; aber deren Umfang bleibt weit hinter den innerdeutschen Transfers zurück. Ohne die Transfers im Rahmen von Solidarpakt und Sozialversicherungssystem wäre die deutsch-deutsche Währungsunion vermutlich nicht erfolgreich gewesen.

Heißt das, dass wir mehr Transfers innerhalb des Euroraums brauchen? Vermutlich führt zumindest im Falle Griechenlands kein Weg an einer neuen Transferrunde vorbei. Eine lang anhaltende Depression innerhalb des europäischen Binnenmarkts wäre kaum zu verkraften; die Menschen würden mit den Füßen abstimmen. Die vor uns liegende Aufgabe besteht somit darin, einen tragfähigen Ausgleich zwischen Transfers und Anreizen zu solidem Wirtschaften in jedem Mitgliedsland der Währungsunion  zu finden. Leider gibt es dafür (noch) kein Patentrezept.

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